Frauen in Bangladesch

Ein Leben in Unterdrückung

Diskriminierung von Geburt an

Die Diskriminierung von Frauen in Bangladesch beginnt bereits bei ihrer Geburt. Der niedrige Status von Mädchen spiegelt sich vor allem darin wider, dass sie in punkto Nahrung, Gesundheitsversorgung, Kleidung und Bildung deutlich hinter Jungen zurückstehen müssen. Im Weltdurchschnitt haben Mädchen unter 5 Jahren eine niedrigere Sterblichkeit als Jungen, in Bangladesch ist sie jedoch um 11 Prozent höher.Während Frauen in anderen Ländern etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmachen (1003 Frauen auf 1000 Männer), beträgt der weibliche Anteil an der Bevölkerung Bangladeschs nur 48,5 Prozent. In Bangladesch sterben pro Jahr rund 30.000 Frauen im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt. Zwischen 16 und 25 Prozent der Müttersterblichkeit ist auf unsachgemäßen Schwangerschaftsabbruch zurückzuführen. (Weltbank 2007)

Hauptgrund der hohen Müttersterblichkeit ist, dass viele Frauen bei ihrer ersten Schwangerschaft zu jung und die Abstände zwischen den weiteren Schwangerschaften zu kurz sind. Aber auch ihr kritischer Ernährungszustand ist dafür verantwortlich. Da sie bereits von frühester Kindheit an unterversorgt werden, haben sie später schlechte physische Voraussetzungen für eine normale Schwangerschaft und Geburt.

Bildung

Der durchschnittliche Bildungsstand von Frauen in Bangladesch ist niedriger als der ohnehin schon geringe Bildungsstand der Männer. Dies trifft auch auf die Grundschulbildung zu. Auch was die Anzahl absolvierter Schuljahre angeht, stehen Frauen weit hinter Männern zurück, besonders in ländlichen Gebieten. Viele Eltern im ländlichen Raum legen äußerst geringen Wert auf Schulbildung für Mädchen.Auch andere Faktoren sind Ursache des geringen Bildungsstandes von Frauen. In abgelegenen Gebieten ist der Schulweg häufig zu weit. Es mangelt an weiblichen Lehrkräften und die physische Ausstattung von Schulen (z.B. in bezug auf sanitäre Anlagen) ist oft sehr schlecht.

Heirat und Ehe

Der “Dowry Prohibition Act” von 1989 stellt das Geben und Nehmen von Mitgift unter Geld- und sogar Haftstrafe. Dennoch lebt diese traditionelle Praxis weiter. Entspricht die Mitgift nicht der Forderung des Bräutigams oder seiner Eltern, so kann das Heiratsversprechen gebrochen werden, womit die Familie der Braut gesellschaftlich stigmatisiert wird. In der Familie des Ehemannes ist die Frau allen anderen Haushaltsmitgliedern, auch den weiblichen, untergeordnet. Ihre Daseinsberechtigung erlangt sie erst durch Nachkommenschaft, vor allem durch Söhne.

Rechtlicher Status von Frauen

Per Verfassung gilt die Gleichberechtigung der Geschlechter und deren Gleichstellung vor dem Gesetz. Frauen haben auch das Wahlrecht — die wenigsten von ihnen sind jedoch in der Lage, davon Gebrauch zu machen. Niedriger Bildungsstand, Analphabetismus, geringes soziales und politisches Bewusstsein sowie die Pflicht zur Einhaltung religiöser und kultureller Normen behindern die weibliche Partizipation in der Praxis.

Frauen und Gewalt

Seit 1960 existiert ein Gesetz zum Schutz der Frau vor Gewalt, das 1983 erneuert wurde. Vergewaltigung, Körperverletzung und sogar Totschlag von Frauen während Krisenzeiten in Bangladesch sind jedoch nichts Ungewöhnliches. In einer Gesellschaft, in der die wahrgenommene Ehre der Familie von den Tugenden ihrer weiblichen Mitglieder abhängt, haben besonders Vergewaltigungen tragische soziale Konsequenzen für die Opfer: Nicht der Schänder, sondern die Geschändete wird zur Schande.