Bolivien

Kooperation mit ACLO von 1997 – 2009

Allgemeine Situation

Trotz seines Reichtums an Bodenschätzen (vor allem Erdgas) ist Bolivien eines der ärmsten Länder Südamerikas. 60 Prozent der Bevölkerung leben von weniger als einem Dollar pro Tag.Die Bevölkerung besteht aus Mestizen (26 Prozent), Weißen (14 Prozent) und Angehörigen verschiedener indigenen Gruppen (ca. 60 Prozent).

Politische Situation

Nach jahrelangen Unruhen, die das Land an den Rand eines Bürgerkriegs brachten, wurde mit Evo Morales Ende 2005 zum ersten Mal ein indigener Präsident gewählt.Seither ist ein politischer Klimawechsel mit tief greifenden Strukturreformen in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik zu verzeichnen.

Ein Ende der systematischen Ausgrenzung der indianischen Bevölkerung (viele der Kabinettsmitglieder der Regierung sind indianischer Herkunft), die Verstaatlichung der Bodenschätze und die Ausarbeitung einer neuen Verfassung kennzeichnen die aktuelle dynamische Entwicklung Boliviens.

Kooperation des Hunger Projekts bis 2009

In Bolivien konzentrierte sich das Hunger Projekt auf eine intensive Kooperation mit der Nichtregierungsorganisation ACLO (Fundación Acción Cultural Loyola / Loyola-Stiftung für kulturelle Aktivitäten). Das Hunger Projekt unterstützte die Arbeit von ACLO von 1997 – 2009 finanziell und methodisch.Leider konnte die Zusammenarbeit aus finanziellen Gründen nach 2009 nicht weitergeführt werden.

ACLO Team, Juli 2005

ACLO

ACLO ist eine der am meisten geachteten Entwicklungshilfeorganisationen Boliviens. Ihr Aktionsprogramm für die Quechua-Indios, die zu den ärmsten Bevölkerungsgruppen in Bolivien zählen, beinhaltet Alphabethisierungsprogramme, Teilhabe an lokalen Entscheidungsprozessen, Stärkung von Frauen und Verbesserung bei landwirtschaftlichen Produktionstechniken.

Radio ACLO

ACLO betreibt eine eigene Rundfunkstation. Radio ACLO ist der einzige Radiosender in der indianischen Sprache Quechua. Seine lokal produzierten Sendungen erreichen eine halbe Million Menschen in den ländlichen Andengemeinden.

Ausbildung von Reporterinnen und Reportern

In Zusammenarbeit mit dem Hunger Projekt konnten in den Dörfern in den letzten Jahren viele – vornehmlich junge – Dorfbewohnerinnen und -bewohner als lokale „Graswurzel-Reporter“ ausgebildet werden.

Als Entwicklungstrainer mobilisieren diese Reporterinnen und Reporter die Menschen in den Dörfern. Zugleich artikulieren sie über Radio ACLO Meinungen und Stimmungen der Dorfbevölkerung. So kommt ihnen eine wichtige Rolle im Kommunikationsaustausch zu. Dabei werden zunehmend auch digitale Technologien eingesetzt.

Zeitung En Marcha

Zusätzlich zu den Radioprogrammen gibt ACLO die Zeitung “En Marcha” (Auf dem Marsch) heraus.

Programminhalte von Radiosender und Zeitung

Radiosender und Zeitung bestärken die indianische Bevölkerung darin, ihre Lebenverhältnisse nach eigenen Bedürfnissen zu gestalten und Wege zu entwickeln, chronischen Hunger und Armut nachhaltig zu bekämpfen. Ein breitgefächertes Programmangebot umfasst folgende Themenbereiche:

  • Aktuelle Nachrichten
  • Alphabetisierungsprogramme
  • Kommunalpolitik
  • Wirtschaft
  • Gleichberechtigung der Geschlechter