COVID-19: Gemeinden stärken – Ernährungssicherheit erhalten

News Ernährungssicherheit

Im Hunger Projekt liegt der Fokus unserer Arbeit auf der Überwindung chronischer Unterernährung und extremer Armut – nicht so sehr auf akutem Hunger, wie er zum Beispiel bei einer Hungersnot auftritt. In der aktuellen Situation kann jedoch die Grenze zwischen akutem Hunger und chronischer Unterernährung leicht verschwimmen. Viele der Menschen, mit denen wir vor Ort arbeiten, könnten aufgrund der momentanen Veränderungen in ihren Dorfgemeinschaften schon bald an akutem Hunger leiden.

Denn die Corona-Pandemie ist nicht nur eine gesundheitliche Krise, sie ist auch eine wirtschaftliche und – für einen großen Teil der Menschen im globalen Süden – zunehmend eine existenzielle Krise. Das Welternährungsprogramm warnt eindringlich vor einer anstehenden „Hunger-Pandemie“, die vor Ort letztlich sogar mehr Todesopfer fordern könnte als das Virus selbst. Hochrechnungen zeigen dabei, dass die Zahl der Menschen, die unter schwerer Unterernährung oder sogar in Hungersnot leben, sich dieses Jahr von 135 Millionen auf 265 Millionen verdoppeln könnte – auch aufgrund der Auswirkungen des Coronavirus.

Unser nachhaltiger Ansatz fördert belastbare Systeme, lokale Führungskräfte und Resilienz. So hilft sie Dorfgemeinschaften auf Herausforderungen – auch solche wie die aktuelle – zu reagieren. Um den Auswirkungen der Pandemie entgegenzuwirken hat das Hunger Projekt bereits über 500.000 ausgebildete Freiwillige und Führungskräfte in 13 Ländern mobilisiert. Durch diese Netzwerke stellen wir gemeinsam mit unseren Partner*innen vor Ort sicher, dass die Dorfgemeinschaften die nötigen Informationen und Werkzeuge zur Verfügung haben, auf Beeinträchtigungen des Ernährungssystems zu reagieren.

 

Afrika

Im Süden Afrikas neigt sich die Erntesaison gerade dem Ende zu. Die Teams vor Ort haben unsere Netzwerke an ausgebildeten Animator*innen aktiviert, um das Befüllen der Nahrungsmittelspeicher in den Gemeinden zu koordinieren. In anderen Regionen Afrikas beginnt gerade die Pflanzsaison. Hier ermutigen die Animator*innen die Kleinbauern und –bäuerinnen trotz der Pandemie zu pflanzen – und zeigen ihnen, wie dies mit Einhaltung des empfohlenen Mindestabstands möglich ist. Wo nötig arbeiten wir zusammen mit den Gemeinschaften daran, die Nahrungsmittelspeicher auch mit Trockenware wieder aufzufüllen.

In all unseren Programmregionen in Afrika sind die lokalen Banken der Epizentren unter Einhaltung von Schutzmaßnahmen weiterhin geöffnet: Gerade jetzt befinden sich die Kleinbauern und –bäuerinnen in einer entscheidenden Zeit. Sie müssen Einkommen, das sie durch die Ernte erwirtschaftet haben, einzahlen können oder Geld abheben, um Saatgut für die Aussaat zu kaufen. Indem wir die Banken geöffnet halten, stellen wir außerdem sicher, dass die Menschen vor Ort durch ihre Rücklagen nährstoffreiche Lebensmittel kaufen können, falls die Preise stark ansteigen sollten oder eine Nahrungsmittelknappheit auftreten sollte.

Darüber hinaus verbreiten unsere Kolleg*innen in Afrika über Lautsprechersysteme, Megafone und das Radio Informationen zu Nahrungsmittelsicherheit und Ernährung. Sie setzen so unsere Programme aus sicherer Distanz fort.

 

Asien

In Asien sind unsere Bemühungen für die Ernährungssicherheit eng damit verbunden, den Menschen vor Ort, die von der Pandemie betroffen sind, dabei zu helfen, staatliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

In Indien wurden die 8.000 Frauenabgeordneten, mit denen wir in unseren Programmen zusammenarbeiten, nicht nur mit Nachrichten zu dem Virus und dessen Eindämmung versorgt. Unser Team liefert ihnen auch Informationen zu neuen Nothilfe-Regelungen der Regierung. So können die Frauen ihren Dorfmitgliedern helfen, Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Dies gilt insbesondere auch für die vielen Gastarbeiter*innen, die normalerweise ihren Lebensunterhalt zum Teil als Tagelöhner*innen in den großen Städten bestreiten. Aufgrund der Pandemie sind sie nun ohne Arbeit in ihre Dörfer zurückgekehrt. Sie befinden sich in besonders großer Gefahr, ihren Lebensunterhalt und damit ihre Ernährung nicht mehr sichern zu können.
Darüber hinaus machen unsere Partner*innen über die lokalen und bundesweiten Medien auf die Knappheit und Herausforderungen in der Versorgung durch staatliche Dienste, wie zum Beispiel Essensausgaben, aufmerksam. Dies hat zum Ziel, dass die Hilfssysteme von der Regierung entsprechend angepasst werden können, insbesondere falls diese längerfristig benötigt werden sollten.

Auch in Bangladesch helfen unsere Freiwilligen-Netzwerke ihren Dorfgemeinschaften, Zugang zu staatlicher Unterstützung zu erhalten. Allerdings waren viele dieser Dienste bereits vor der Pandemie aus- oder überlastet. Um sicherzustellen, dass alle Mitglieder der Dorfgemeinschaften versorgt sind, haben viele der Netzwerke gemeinschaftliche wohltätige Dienste in ihren Dörfern eingerichtet, um die nötigsten Bedarfe zu decken (Lebensmittel, Medizin, Bargeld, Seife, Masken, Hand-Desinfektionsmittel etc.). Dabei werden insbesondere auch Randgruppen in den Dörfern berücksichtigt.

 

Lateinamerika

Unsere Kolleg*innen in Mexiko fokussieren sich unterdessen darauf, den wirtschaftlichen Folgen der Ausgangsbeschränkungen vor Ort entgegenzuwirken. Zum Beispiel führt unser Team online Trainings durch und vermittelt Informationen, wie Unternehmen durch innovative Strategien ihre Arbeit an die aktuelle Situation anpassen können. Dies wird unter anderem Frauen in Textil-Kooperativen ermöglichen, ihre Familien und Gemeinschaften auch in der Pandemie weiterhin zu ernähren und zu unterstützten.

 

Global nehmen unsere Freiwilligen und Führungskräfte ihre Rollen wahr und setzen sich federführend für die Linderung der vielfältigen Auswirkungen von COVID-19 ein. Dies zeigt einmal mehr die Wichtigkeit kommunalgeführter Entwicklung – sowohl für längerfristige Veränderungen als auch im Handhaben von akuten Krisen wie der diesen.

 

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