Jugend-Empowerment und Teilhabe Fördern

Malawi: Durch Jugend-Empowerment-Maßnahmen chronischen Hunger bekämpfen und wirtschaftliches Wachstum fördern

In Malawi leben 18 Mio. Menschen und ca. 70% der Bevölkerung ist unter 30 Jahre alt. 20% der Jugendlichen sind arbeitslos, im Vergleich zu der allgemeinen Arbeitslosenquote von 6% (Stand April 2020). Jugendliche arbeiten meist als Tagelöhner; zwei Drittel von ihnen verdienen nicht genug, um dem Teufelskreis der Armut zu entkommen. Die Jugendlichen können somit nicht in eine eigenständige Zukunft investieren.

Gründe für die hohe Jugendarbeitslosigkeit sind unter anderem eine fehlende Struktur für den Übergang von der Schule in den Produktionssektor (z.B. in die Landwirtschaft), sowie wenig Förderung von Unternehmertum. Im Distrikt Salima ist die Landwirtschaft der Sektor mit dem größten Beschäftigungspotential; 64% der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig. Es genießt jedoch in den Augen der Jugendlichen ein geringes Ansehen. Zudem ist es aufgrund der traditionellen Landrechte für Jugendliche sehr schwierig, Landbesitz zu erlangen. Traditionelle Normen reservieren Führungspositionen für ältere Mitglieder der Gesellschaft.

Zudem ist Jugendlichen der Zugang zu gesellschaftspolitischen Prozessen häufig erschwert. Es gibt für sie keinen Raum, ihre Belange in der Politik zu äußern und damit politische Entscheidungen zu beeinflussen. Darüber hinaus hat das Gesundheitssystem viele Lücken. Themen wie HIV/AIDS, frühe Schwangerschaften, Alkohol- und Drogenmissbrauch und psychosoziale Gesundheit, die insbesondere die Jugend betreffen, werden stark vernachlässigt.

Unser Ziel

Durch Jugend-Empowerment- und Ausbildungsmaßnahmen in Landwirtschaft und gesellschaftlichem Engagement werden die Lebensumstände und die Einkommenssituation für 650 Jugendliche und ihre 3.250 Familienmitglieder in 138 Dörfern im Distrikt Salima in Malawi verbessert. Die Jugendlichen wenden ihre neu erlangten Fachkenntnisse, ihr unternehmerisches Wissen und ihre Führungsfähigkeiten an und sind in der Landwirtschaft aktiv und in ihren Dorfgemeinschaften politisch engagiert.

Focus Group Discussion during baseline survey

Unsere Projektmaßnahmen

Unser Projektpartner The Hunger Project (THP) Malawi setzt das Projekt von September 2019 bis August 2022 in 138 Dörfern im Distrikt Salima um. Zunächst werden die Bewohner/innen der Dörfer durch die sogenannten Vision-, Commitment- and Action-Workshops mobilisiert. Um einen besseren Zugang zu Jugendlichen zu haben und ihnen eine Möglichkeit der politischen Beteiligung zu bieten, wurden in der Vergangenheit von der malawischen Regierung landesweit Jugendclubs eingerichtet. Das Projekt knüpft an diese Struktur an und setzt die folgenden Aktivitäten und Maßnahmen um:

  • Um das Engagement und die Teilhabe von Jugendlichen in ihren Dörfern zu stärken, nehmen sie an Veranstaltungen zu Themen wie Bürgerbeteiligung, gesellschaftspolitisches Engagement und Führungskompetenzen sowie an einem „Theater für Entwicklung“ teil.
  • Darüber hinaus werden die Jugendlichen der Clubs vernetzt mit relevanten Einrichtungen in den Bereichen reproduktive Gesundheit, sexuelle Aufklärung für Kinder und Jugendliche, HIV/ AIDS und Gender.
  • Durch Trainings in fachlichem Wissen und handwerklichen Fähigkeiten werden die Jugendlichen anschließend in landwirtschaftlichen Tätigkeiten gefördert, mit dem Ziel Anreize für die Arbeit in der Landwirtschaft zu schaffen. Daher konzentrieren sich die Trainings auf Themen, die Jugendliche ansprechen, wie z.B. Vermarktung, innovative Technologien und Wertschöpfung. Es thematisiert die Bedrohungen durch den Klimawandel und sensibilisiert die Jugendlichen dafür.
  • Schulungen zu Unternehmensgründung, Unternehmertum und Marketing stärken die wirtschaftlichen Kenntnisse der Jugendliche, ermöglichen ihnen einen verbesserten Zugang zu produktiven landwirtschaftlichen Ressourcen und Finanzierungsmöglichkeiten.
  • Zur gegenseitigen Unterstützung und Motivation fördert das Projekt den Austausch unter jungen Landwirt/innen in den Jugendclubs. Das Projekt fördert so die Ausbildung von Junglandwirt/innen, die durch selbstständige Tätigkeiten in der Landwirtschaft ihren Lebensunterhalt verdienen.
  • THP Malawi organisiert Diskussionsrunden zum Thema transformatives Leadership mit Clan- und Dorfvorsteher/innen und sensibilisiert diese dafür, wie wichtig es für die wirtschaftliche Entwicklung der Region ist, Jugendlichen Zugang zu Landrechten zu gewähren. THP Malawi hat mit diesem Ansatz im Salima Distrikt bereits sehr positive Erfahrungen gemacht.

Was haben wir bisher erreicht?

Die Reaktionen von Jugendlichen auf die ersten Aktivitäten des Projektes in 2019 waren bereits durchweg positiv. Politische und gesellschaftliche Führungspersönlichkeiten des Distrikts und der Dorfgemeinschaften bestätigten den dringenden Bedarf zur Förderung der Jugendlichen und begrüßten das Projekt. Die Jugendlichen selber zeigten nicht nur Interesse, sondern darüber hinaus auch Bereitschaft und die notwendigen Kompetenzen für die erfolgreiche Teilnahme. Die zum Anfang des Projektes durchgeführte Baseline-Daten-Erhebung bestätigte den Mangel an Möglichkeiten der politischen Einflussnahme für Jugendliche. Gleichzeitig zeigte sie aber auch deren Willen und Engagement für politische Entscheidungsprozesse durch frühere Aktivitäten der Jugendclubs auf. Diese Entwicklungen zeigen bereits jetzt, dass positive Veränderungen im Distrikt Salima und den für das Projekt ausgewählten Dorfgemeinschaften möglich und erwünscht sind. Dies ist ein grundlegender Faktor für den Erfolg eines Projektes, das so stark auf die Einstellungen, Bedürfnisse und Fähigkeiten der Dorfbewohner/innen aufbaut.

Animators practicing to fill in data in a reporting form after doing an activity

Unsere Reaktion auf COVID-19

In Anbetracht der Ausbreitung des Virus auf dem Kontinent ergreifen unsere Partner/innen vor Ort weitreichende Maßnahmen, um die Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter/innen sowie Dorfbewohner/innen zu schützen. Bisher gibt es nur wenige Verzögerungen in der Umsetzung des Projektes. Versammlungen werden nun in kleineren Gruppen unter Einhaltung der Distanzregeln durchgeführt. Darüber hinaus laufen landwirtschaftliche Initiativen weiter: vor allem in Zeiten der Hochsaison für Ernte oder Anpflanzung, welche zum Vermeiden einer Lebensmittelknappheit durchgeführt werden müssen. Mechanismen wurden eingerichtet, um die Gemeinschaften weiterhin zu unterstützen. Regelmäßige Gespräche mit den Gemeindeleiter/innen und Animateur/innen finden telefonisch statt, um sich auf den neuesten Stand zu bringen oder Ratschläge zu erhalten.

Stand Sept. 2020

Projektförderung

Das Projekt wird gefördert durch die Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Höhe von 322.823 Euro. Das Hunger Projekt Deutschland leistet einen finanziellen Eigenbeitrag in Höhe von 107.608 Euro.

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Das Hunger Projekt Deutschland setzt sich weltweit ein für die Stärkung

von Kindern und Jugendlichen.

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