Einblick in unsere Arbeit im Senegal: Gemeinsam für die Gesundheit von Müttern und Kindern
Was bedeutet es eigentlich, ein Projekt zur Verbesserung der Mutter-Kind-Gesundheit umzusetzen? Welche Veränderungen werden in den Gemeinden sichtbar? Und welche Herausforderungen bleiben bestehen?
Um diesen Fragen nachzugehen, reisten Suna Karakas (Landesdirektorin) und ich, Elisa Harmsen (Projektmanagerin), vom 14. bis 22. Februar 2026 in den Norden Senegals. Im Distrikt Podor arbeitet Das Hunger Projekt gemeinsam mit lokalen Partner*innen daran, die Gesundheitsversorgung für Frauen und Kinder nachhaltig zu verbessern. Vor Ort konnten wir mit Hebammen, freiwilligen Gesundheitshelferinnen, Gemeindemitgliedern und lokalen Behörden sprechen – und erleben, welche Veränderungen bereits spürbar sind.
Warum dieses Projekt so wichtig ist
Senegal hat in den vergangenen Jahren Fortschritte im Gesundheitsbereich erzielt. Dennoch sind die Herausforderungen weiterhin groß. Besonders in ländlichen Regionen wie Podor bleibt der Zugang zu medizinischer Versorgung schwierig.
Viele Frauen müssen lange Wege zurücklegen, um eine Gesundheitsstation zu erreichen. Gleichzeitig fehlen in vielen Regionen ausreichend medizinisches Personal und Ausstattung.
Diese Faktoren tragen dazu bei, dass Schwangerschaftskomplikationen häufig zu spät erkannt werden oder Geburten ohne professionelle Betreuung stattfinden. Ein weiterer zentraler Faktor für die Gesundheit von Müttern und Kindern ist Mangelernährung.
In vielen ländlichen Regionen Senegals sind sowohl Frauen als auch Kinder von Unterernährung betroffen.
Eine unausgewogene Ernährung während der Schwangerschaft kann das Risiko von Komplikationen erhöhen und die Entwicklung des Kindes beeinträchtigen.
Auch für Kinder in den ersten Lebensjahren kann Mangelernährung schwerwiegende Folgen haben, von Wachstumsstörungen bis hin zu einer erhöhten Anfälligkeit für Krankheiten.
Aberglaube und Aufklärung
Auch soziale und kulturelle Faktoren spielen eine Rolle: In manchen Gemeinden ist die Annahme verbreitet, dass Untersuchungen im ersten Trimester einer Schwangerschaft Unglück anziehen könnten. Auch verwitwete oder ältere Schwangere sind von Vorurteilen betroffen. Dabei könnten viele Risiken durch regelmäßige Vorsorge deutlich reduziert werden.
Genau hier setzt unser Projekt an. Gemeinsam mit unserem Partner The Hunger Project Senegal stärken wir bestehende Gesundheitsstrukturen, bilden medizinisches Personal und freiwillige Gesundheitshelferinnen weiter und fördern Aufklärungsarbeit in den Gemeinden. Ziel ist es, die Mutter- und Kindersterblichkeit zu senken, Mangelernährung entgegenzuwirken und langfristig bessere Gesundheitsbedingungen zu schaffen.
Begegnungen mit den Menschen hinter dem Projekt
Während unserer Reise besuchen wir mehrere Gesundheitsstationen, welche oftmals der erste Anlaufpunkt für die medizinische Grundversorgung in den ländlichen Gemeinden sind. Hier sprechen wir mit den Menschen, die das Projekt mit Leben füllen.
Besonders beeindruckend ist das Engagement der sogenannten Relais. Sie sind Frauen, die in ihren Gemeinden großes Engagement gezeigt haben und sich nun als freiwillige Gesundheitshelferinnen einsetzen. Innerhalb des Projekts nehmen sie an Trainings zu Gesundheitsthemen teil – darunter Kinderernährung, Impfungen, Familienplanung und Hygienemaßnahmen. Dann tragen sie dieses Wissen in ihre Gemeinden: Sie besuchen Familien zu Hause, erinnern Schwangere an Vorsorgeuntersuchungen, begleiten Frauen zu Gesundheitsstationen und klären Familien über gesunde Ernährung und Krankenversicherungen auf.
Die Gesundheitshelferin Awa Sy erklärt uns, warum sie sich engagiert: „Ich habe gesehen, wie viele Menschen krank waren. Da wollte ich nicht warten, bis jemand anderes etwas verändert – ich wollte selbst helfen.“
Welche wichtige Rolle die Helferinnen im Gesundheitssystem spielen, bringt die Krankenschwester im Gesundheitsposten Diattar auf den Punkt:
„Wenn die Gesundheitsstation ein Auto wäre, wären wir das Lenkrad – aber die Relais sind die Sitze. Ohne sie funktioniert das System nicht.“
Wie Veränderung in den Gemeinden spürbar wird
Die Gespräche mit Frauen aus den Gemeinden zeigen, dass die Aufklärungsarbeit Wirkung zeigt.
Viele berichten, dass Schwangerschaften früher oft ohne regelmäßige Vorsorge verliefen. Manche Frauen suchten erst im siebten Monat erstmals eine Gesundheitsstation auf. Heute nehmen deutlich mehr Frauen regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wahr.
Ndeye Seck, eine junge Mutter, berichtet uns von ihren Erfahrungen mit zwei Schwangerschaften: „Bei meiner ersten Schwangerschaft war ich monatelang nicht beim Arzt – bis zum siebten Monat hatte ich keine einzige Untersuchung.
Dieses Mal haben mich die Relais immer wieder ermutigt, regelmäßig zur Vorsorge zu gehen. Ich hatte alle acht Untersuchungen und bekomme auch Tipps zu Ernährung und Malariaprävention. Jetzt weiß ich, wie wichtig diese Kontrollen für ein gesundes Baby sind.“
Auch bei der Kinderernährung zeigen sich Fortschritte. Familien lernen, wie wichtig exklusives Stillen für ihre Babies ist und wie sie lokal verfügbare Lebensmittel – etwa Hirse, Bohnen oder Erdnüsse – zu nährstoffreichen Mahlzeiten für Kleinkinder verarbeiten können.
Ultraschall als Blick in eine gesunde Zukunft
Neben Aufklärung und Trainings spielt auch die Ausstattung der Gesundheitsstationen eine wichtige Rolle.
In den Gesundheitsposten von Tarédji und Guia konnten durch das Projekt Ultraschallgeräte angeschafft werden. Diese helfen, Schwangerschaftskomplikationen frühzeitig zu erkennen. Früher mussten Frauen dafür oft weite Wege in größere Städte zurücklegen. Heute können Untersuchungen direkt vor Ort stattfinden. Das spart Zeit, Kosten und kann im Ernstfall Leben retten.
Neben Aufklärung und Trainings spielt auch die Ausstattung der Gesundheitsstationen eine wichtige Rolle.
In den Gesundheitsposten von Tarédji und Guia konnten durch das Projekt Ultraschallgeräte angeschafft werden. Diese helfen, Schwangerschaftskomplikationen frühzeitig zu erkennen. Früher mussten Frauen dafür oft weite Wege in größere Städte zurücklegen.
Heute können Untersuchungen direkt vor Ort stattfinden. Das spart Zeit, Kosten und kann im Ernstfall Leben retten.
Gemeinsam Verantwortung übernehmen
Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Projekts ist die Zusammenarbeit mit lokalen Behörden.
In den Gemeinden gibt es sogenannte Gesundheitskomitees, die die lokalen Gesundheitsstationen verwalten und die Bevölkerung einbinden. Sie organisieren beispielsweise Informationskampagnen zu Malaria oder unterstützen bei der Finanzierung wichtiger Gesundheitsleistungen. Durch Schulungen in Finanzmanagement und guter Verwaltung werden diese Komitees gestärkt, sodass sie ihre Aufgaben langfristig selbstständig wahrnehmen können.
Ibrahima Diallo, zuständig für Bildungsprogramme im Distrikt, betont, dass der enge Kontakt zu den Gemeinden eine der größten Stärken des Ansatzes von Das Hunger Projekt sei. Durch Trainings für Hebammen und intensive Aufklärungsarbeit wachse das Bewusstsein für die Risiken von Hausgeburten zunehmend. Eine erste Auswertung aus dem Jahr 2025 zeigt bereits Fortschritte: In Einrichtungen wie Mbiddi – wo früher besonders viele Kinder zu Hause geboren wurden – entscheiden sich heute deutlich mehr Frauen für eine Geburt in der Gesundheitsstation.
Auch lokale Behörden unterstützen die Initiative. Im Gespräch mit dem Bürgermeister der Gemeinde Guedé Village erklärt er uns, dass der gemeinschaftsbasierte Ansatz des Projekts langfristige Veränderungen anstößt. Statt kurzfristiger Hilfe gehe es darum, nachhaltige Strukturen und ein „mindset change“ zu schaffen – ein neues Bewusstsein für Gesundheit. In der Gemeinde sei bereits ein deutlicher Wandel spürbar: Immer mehr Männer unterstützen ihre Frauen dabei, Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen und medizinische Angebote zu nutzen.
Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Aufklärung für den Beitritt zu Krankenversicherungen. Durch die sogenannten „Health Mutuals“ werden Behandlungskosten für viele Familien deutlich erschwinglicher. Dadurch suchen mehr Menschen die Gesundheitsstationen auf, was nicht nur die Versorgung verbessert, sondern auch zur finanziellen Stabilität der Einrichtungen beiträgt.
Nachhaltige Wirkung
Was uns während der Reise besonders beeindruckt, ist der starke Gemeinschaftssinn. Viele der Menschen, die im Projekt aktiv sind, arbeiten ehrenamtlich – aus dem Wunsch heraus, die Lebensbedingungen in ihren Gemeinden zu verbessern.
Diese lokale Verantwortung ist entscheidend für die langfristige Wirkung des Projekts. Denn wenn Wissen, Fähigkeiten und Strukturen in der Gemeinde verankert sind, bleiben sie auch über die Projektlaufzeit hinaus bestehen.
Gesundheitshelferin im Gesundheitsposten Mbiddi mit einem selbst verfassten Dankesbrief an alle Unterstützer*innen des Projekts
Unser Besuch hat uns einmal mehr gezeigt: Nachhaltige Entwicklung entsteht dort, wo Menschen selbst aktiv werden und Verantwortung übernehmen. Und genau diese Kraft konnten wir im Senegal überall spüren.